Unterwegs im Gelände

Zwei wesentliche Dinge unterscheiden einen Geländewagen von einem "normalen" Auto: erstens der Antrieb aller vier Räder und zweitens die höhere Bodenfreiheit. Der Vierradantrieb (four-wheel drive) ist bei den meisten Wagen zuschaltbar, d.h. er wird nur dann benutzt, wenn es nötig ist.

Einstellen des Allradantrieb

Die Freilaufnaben (free-wheel-hubs) auf den Vorderrädern werden auf lock gestellt (gesperrt) und der Schalthebel im Wageninneren (direkt neben dem Schaltknüppel) auf H4 (high-range-four-wheel-drive) gestellt. Nun hat man den Allradmodus eingeschaltet, und die Kraft überträgt sich auf alle vier Räder. Stellt man den Schalthebel wieder auf H2, werden nur noch die Hinterräder angetrieben. Fordert die Piste häufigen Wechsel zwischen Allrad- und Zweiradantrieb, kann man die Freilaufnaben in der Stellung lock belassen. Es ist dann möglich, während der Fahrt von H2 auf H4 und umgekehrt zu schalten (Kupplung treten nicht vergessen). Ist abzusehen, daß die Strecke den Allradantrieb in der nächsten Zeit nicht erfordert, sollte man die Freilaufnaben auf jeden Fall wieder in die Position free stellen.

Der Schalthebel im Inneren des Wagens hat neben der Position H4 noch eine weitere: L4 (low-range-four-wheel-drive). Es ist eine Untersetzung, die die Geschwindigkeit des Fahrzeugs erheblich verringert, dafür aber die Kraft erhöht. Man benötigt diesen Allradmodus vor allem bei steilen Streckenabschnitten, Flußdurchfahrten und felsigen Passagen. Dabei muß wie immer darauf geachtet werden, daß beide Freilaufnaben an den Vorderrädern gesperrt (lock) sind. Im H4-Modus würde der Wagen ein Fahren mit ungesperrten Freilaufnaben noch überstehen, aber im L4-Modus wäre die auf die Hinterachse wirkende Kraft so groß, daß diese unweigerlich Schaden nehmen würde. Der l4-Modus darf im Gegensatz zum H4-Modus nur im Stand zugeschaltet werden.

Sandpassagen

Auf Sandstrecken wird der Reifendruck reduziert, um den gleichen Effekt wie bei Breitreifen zu bekommen. Ohne weiteres kann der Druck bei schlauchlosen Reifen um 50% und bei Reifen mit Schlauch um 60% gesenkt werden. Da das meiste Gewicht in der Regel auf der Hinterachse liegt, kann der Druck der Vorderreifen um zusätzliche 10% reduziert werden.

Auf den meisten Strecken trifft man irgendwann auf einen sandigen Streckenabschnitt. Das kann auch eine Passage mit tiefem, sehr feinkörnigem, lockerem Sand sein. Geschieht das unerwartet, ist Fahrzeugbeherrschung gefragt. Ähnlich wie auf Eis fängt das Auto an zu schlingern und versucht auszubrechen. Das kann an solchen Stellen sehr schnell zum Verhängnis werden, da die Ränder der Pisten (insbesondere der Sandpisten) oft sehr hoch und schräg sind - ein Überschlag ist geradezu vorprogrammiert. Ein wichtiger Faktor beim Befahren von Sandpisten ist auch die Stärke des Motors. Vor allem untermotorisierte Fahrzeuge haben es im Sand schwer. Dadurch, daß die Reifen im Sand einsinken, müssen sie immer wieder Höhenunterschiede überwinden. Dies erfordert einen enorm hohen Kraftaufwand, so daß der Wagen immer langsamer wird. Dem begegnet man durch schnelles Herunterschalten. Wer sich jedoch verschaltet, hat verloren. Das Fahrzeug bleibt stehen, und nichts geht mehr. Durch unnötiges Gasgeben gräbt sich der Wagen ein, und die Lage wird verschlimmert. Dann helfen meist nur noch Schaufel oder Winde. Ist der Sandabschnitt nur noch wenige Meter lang, läßt sich die Tausend-Umdrehungen-Technik anwenden. Dabei wird die Drehzahl des Motors konstant im Bereich von 1.000 Umdrehungen gehalten und das Lenkrad in rascher Folge nach links und rechts bewegt (je eine halbe Umdrehung). Hilft der Beifahrer schieben, kann man ziemlich sicher sein, wieder frei zu kommen. Zweige, Bretter, Steine oder auch Gras unter den Reifen unterstützen die Befreiungsaktion zusätzlich. Ist diese Methode erfolglos, sollte man versuchen, rückwärts aus dem Sand herauszufahren (das geht meist etwas einfacher, da die eigene Fahrspur genutzt werden kann), und die Durchfahrt erneut mit mehr Schwung und eventuell im L4-Modus probieren. Mit etwas Erfahrung wird die Bewältigung von Sandpassagen schnell zur Routine.

Dühnenüberquerungen

Eine Grundregel bei den Überquerungen könnte lauten: Sich ein Herz fassen, Vollgas geben und hoffen, daß man es im ersten Anlauf schafft. Bevor man sich aber an die wirklich schwierigen Dünen wagt, sollte vorher an kleineren geübt werden, um ein Gefühl für die richtige Geschwindigkeit zu bekommen. Stärker als beim Fahren im ebenen Sand macht sich hier eine Untermotorisierung unangenehm bemerkbar. Grundsätzlich jedoch gelten die gleichen Regeln wie beim Fahren auf Sand. Ist die Düne zu steil oder der Sand zu locker, muss der Reifendruck reduziert werden. Gefahren wird im 2. oder 3. Gang im H4-Modus mit höchstmöglicher Geschwindigkeit und Drehzahl. Schnelles Herunterschalten ist hier besonders wichtig, da sonst ein neuer Anlauf nötig ist. War der erste Versuch erfolglos, wird zurückgesetzt und das Ganze mit einem längeren Anlauf und höherer Geschwindigkeit versucht. Das strapaziert nicht nur die Nerven, es kostet auch jede Menge Sprit. Steht man beim sechsten oder siebten Versuch immer noch auf der selben Seite der Düne, sollte man besser ein Lager aufschlagen und es vor Sonnenaufgang am nächsten Morgen noch einmal wagen. Dann nämlich ist der Sand abgekühlt und die Oberfläche wesentlich fester als in der prallen Sonne oder am Abend nach einem heißen Tag. Bringt auch das nicht den gewünschten Erfog, gibt es immer noch die Möglichkeit, den Wagen zu entladen, das Gepäck über die Düne zu tragen, die Anfahrt mit der Schaufel etwas zu glätten, die Spitze abzutragen (viel Vergnügen!) oder auf andere Reisende zu warten, die helfen könnten. Wer es dann immer noch nicht geschafft hat, sollte besser umkehren.

Ist endlich die Dünenspitze erreicht, heißt es sofort stoppen, denn sonst folgt womöglich ein unfreiwilliger Flug mit unsanfter Landung, bei zu hoher Geschwindigkeit vieleicht sogar ein Überschlag. Man sollte sich auch nicht dem Trugschluß hingeben, daß eine Düne leichter zu bewältigen ist, wenn man sie schräg anfährt. Das stimmt nur, wenn auch ein entsprechender Weg gebahnt ist. Wer eine unbefestigte Düne schräg anfährt, riskiert leichtfertig einen Überschlag und damit Fahrzeug und Gesundheit.

Wichtigste Ausrüstung auf Dünenpisten sind Schlauchreifen, Reifendruckmesser, eine 3 bis 4m lange Stange mit Fahne (vorne am Fahrzeug angebracht, hilft sie, Kollisionen zu vermeiden, sollte tatsächlich einmal ein anderes Fahrzeug zur gleichen Zeit die Düne von der anderen Seite her überqueren wollen), Kompressor und zur Sicherheit eine Fußpumpe. Der Reifendruck ist dann mindestens alle drei Stunden kurz zu überprüfen.

Flußdurchfahrten

Bevor man sich auf eine Strecke mit Flußdurchquerungen begibt, wird die Höhe des Luftansaugstutzens vom Boden bis zur Öffnung gemessen. Die Wassertiefe sollte mindestens 15 bis 20cm unter der Öffnung des Ansaugstutzen liegen, um sicher zu gehen, daß kein Wasser in den Motor eindringen kann, denn das bedeutet vor allem beim Dieselmotor das Aus. Dann sind Erkundigungen über die zu durchquerenden Flüsse einzuholen. Dies kann einmal bei der nächsten Polizeistation oder bei einer Tankstelle geschehen. So läßt sich schon vorher entscheiden, ob eine Strecke überhaupt zu befahren ist.

Am Fluß angekommen, wird die Wassertiefe erkundet. Ist das Wasser klar, kann man das oftmals trockenen Fußes vom Ufer aus tun. Ist das Wasser trübe und der Grund nicht zu erkennen, muß man hindurchwaten. Dabei werden die Strömungsstärke festgestellt und auch gleich der Untergrund auf Löcher oder Felsbrocken und Steine kontrolliert. Wichtig ist vor allem, sich die Fahrspur zu merken. Hat man beim Waten keine größeren Probleme, wird die Durchfahrt auch mit dem Auto zu schaffen sein. Im allgemeinen können alle Flüsse mit festem oder ebenem Untergrund unter 20cm Wassertiefe auch ohne Allradantrieb im 1. oder 2. Gang durchquert werden. Wer sich nicht sicher ist, schaltet am besten den Allradantrieb zu. Flüsse ab ca. 20cm Wassertiefe mit losem Untergrund werden grundsätzlich im Allradantrieb (H4-Modus; 1. oder 2. Gang) angegangen. Bei sehr felsigem, sandigem oder schlammigem Untergrund ist sogar der L4-Modus vorzuziehen. Alles, was tiefer als 40cm ist, sei es auch nur eine größere "Pfütze", wird im Allradmodus mit Untersetzung durchquert (L4-Modus; 1.- oder 2. Gang).

Für alle Flußdurchfahrten, ganz gleich welcher Tiefe oder Untergrundbeschaffenheit, gelten folgende Regeln:

  • Nie im Wasser anhalten!
  • Nie während der Durchfahrt die Kupplung betätigen!

    Ist der Wasserstand höher als der Luftansaugstutzen, muß der Wagen entsprechend vorbereitet werden. Man öffnet die Motorhaube, biegt den Ansaufstutzen nach außen und verlängert ihn mit einem Stück Schlauch um eingige Zentimeter (nicht mehr als 20-30cm; darauf achten, daß er auch dicht ist, denn sonst gelangt Wasser in den Luftfilter). Auch der Keilriemen wir gelockert oder abgenommen, damit während der Fahrt kein Wasser hochgewirbelt wird und der Ventilator nicht den ganzen Motorraum mit Wasser bespritzt. Da das Schlauchstück aus dem Motorraum herausragt, steht die Motorhaube einen Spalt offen. Über diesen wird dann eine Plane befestigt, die am besten bis über den Kühler nach unten reicht. Dadurch kann zum einen von oben und von der Seite kein Wasser in den Motorraum eindringen, zum anderen wird vor dem Auto eine kleine Bugwelle erzeugt, die wie der Planierschild eines Bulldozers wirkt und dafür sorgt, daß durch den entstehenden Unterdruck im Motorraum der Wasserstand hier niedrig bleibt. Die Elektrik, vor allem bei Benzinmotoren, sollte man vorher mit Isolierband abdichten. Auch das Gepäck im hinteren Teil des Wagens nicht vergessen ! Sachen, die auf keinen Fall naß werden dürfen (Kamera, Essen, o.ä.), sollte man nach oben legen. Zusätzlich können die Türritzen mit Klebeband abgedichtet werden. Wir empfehlen solche Durchfahrten nur, wenn ein zweites Auto in der Nähe ist, das im Notfall den Wagen aus dem Fluß ziehen kann.

    Nach der Flußdurchquerung sind die Bremsen auf ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen. Mittels Ölstab kann kontrolliert werden, ob Wasser in den Motor eingedrungen ist.